Die Tasche im rechten Licht… Text::::original aus der Frankfurter Rundschau 18.9.2011
Die Vorbereitungen für die Frühjahrs-Modenschauen der Lederwarenmesse laufen
Draußen leuchtet der Herbsthimmel blau, im Schatten ist es kühl, die ersten Blätter fallen. Drinnen, im zweiten Stock der Messe Offenbach, hängen Sommerkleidchen, kurze Hosen und Strohhüte auf meterlangen Kleiderständern, Sandalen, sommerliche Ledertaschen, Kunststofftaschen und Koffer stehen daneben.
Zwar nutzt der eine oder andere Händler die Internationale Lederwarenmesse im September noch für die allerletzte Bestellung zum Weihnachtsgeschäft. Doch der eigentliche Blick geht weit über Herbst und Winter hinaus: Summer Styles heißt die Messe, die in einer Woche beginnt.

Dafür, dass die mehr als 5000 erwarteten Fachbesucher auch wissen, was im nächsten Frühjahr und Sommer Trend ist, sind seit dreieinhalb Jahren Uta Riechers-Wuttke und Martin Wuttke zuständig. Sie organisieren Modeschauen, Fotoshootings und alles, was sonst dazugehört. Seit Tagen sortieren die beiden Modeexperten aus Berlin Kleidung und Lederwaren, Sonnenbrillen und Ketten, Koffer und Schulranzen. Welche Textilkollektion passt am besten zu welcher Lederwarenmarke? Welches Kleid bringt die neue Freizeittasche eines Ausstellers am besten zur Geltung? 25 Hersteller von Lederwaren und Reisegepäck wollen, dass ihre neue Kollektion den Fachbesuchern optimal präsentiert wird.
Weil der Markt längst nicht nur von glitzernden Abendtaschen oder tausende Euro teuren Handtaschen beherrscht wird, lassen sich die Wuttkes auch für andere Produkte etwas einfallen. Dazu gehören dieRollkoffer der Reisegepäckhersteller ebenso wie Schulranzen und eine Wickeltasche samt Fläschchenwärmer.
Da trotzdem nicht mehr alles in eine Schau passt, haben die Wuttkes zwei zusammengestellt: „Impressiv“ und „Expressiv“, die eine mit leiserer Mode, die andere etwas lauter. Welches Modell in welcher Schau präsentiert wird, entscheiden die Modeexperten intuitiv. „So wie die Tasche zu uns spricht“, sagt Martin Wuttke.
Präsentiert werden die Trends von 14 Models, elf Frauen und drei Männern, auf dem fast 20 Meter langen Laufsteg in der Messe. An den Kleiderständern kleben kleine Zettel mit Angaben über die Anzahl der benötigten Models für den jeweiligen Durchgang. „Quickchange“ steht da manchmal, das heißt, die Frauen und Männer haben nur 35 Sekunden zum Umziehen. Damit alles klappt, werden 14 Ankleidehelfer bereitstehen.
Geordnet werden Kleidung und Accessoires nach den Trendthemen der nächsten Sommersaison. Welche vier Themen er für die Modeschauen ausgewählt hat, will Martin Wuttke noch nicht verraten. Doch ein Blick überKleiderständer, Tische und Fußboden zeigt: Die derzeit kräftigen Farben werden auch im nächsten Jahr nicht out sein.
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Entscheiden müssen die Wuttkes auch, welche Taschen am Freitag zumFotoshooting ins Atelier des Offenbacher Fotografen Robert Lichtenberg gebracht werden. Die Fotos gehen an die Presse und illustrieren neben eigens angefertigten Zeichnungen das Lookbook für die Zuschauer der Modeschauen.
Seit dreieinhalb Jahren sind die Wuttkes die Modeberater für die Messe Offenbach. Martin Wuttke arbeitet gern mit den Herstellern und dem kleinen Team der Messegesellschaft zusammen. Die Atmosphäre sei, sagt er, „angenehm unprätentiös“.